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Antonio FianIn Antonio Fians Traumgeschichten folgen wir dem brillanten Stilisten in skurrile Alltagssituationen, eigentümliche Fantasien und Fantastereien, schauen genüsslich zu, wie er mit dem Finger in politischen Wunden wühlt oder den Literatur- und Kulturbetrieb und deren Irrwitzigkeiten in den Blick nimmt. Dass in Träumen alles und in jeder noch so überzeichneten Form vorkommen kann, verdeutlichen diese Kurztexte auf besonders originelle Weise.

Gustav Ernst
Lesung aus dem Roman “Betriebsstörung”
Eine einflussreiche Literaturkritikerin wird ermordet, in Opatija auf der Uferpromenade über die Brüstung gestoßen – und bleibt als Gesprächsstoff äußerst lebendig. Wer ist der Täter? Ihr Ehemann, ein älterer Dichter mit schlohweißem Haupthaar? Oder sein jüngerer Kollege und literarischer Widersacher? Oder doch der Kulturredakteur? Selten war diese Frage belangloser als in Ernsts Prosa, die sich nicht als Krimiparodie versteht, eher als Absage an dieses allzu beliebte Genre.
Die Figuren sind gleichermaßen Prototypen wie äußerst lebendige Figuren aus Fleisch und Blut – speziell beim Reden über Sex nehmen sie sich kein Blatt vor den Mund. Nina und Olga, Lehrerin und Apothekerin, sind beste Freundinnen und im Literaturbetrieb als Literaturliebhaberinnen eher Randerscheinungen, in Ernsts Roman stehen sie aber im Zentrum: Die beiden halten den nie versiegenden Redefluss am Laufen: sie reden, tratschen, richten aus, machen einander runter.
Schlüsselromane sind indiskrete Fiktionen. Wer Ernsts Betriebs(störungs)satire für Realität hält und sich darin wiedererkennt, wird nicht daran gehindert. Gustav Ernst, Jahrgang 1944, ist nicht nur Autor zahlreicher Romane und Theaterstücke, sondern als Herausgeber der Literaturzeitschrift kolik zusätzlich eine wichtige Person des österreichischen Literaturbetriebs – und somit auch ein intimer Kenner der Szene.

Literaturverlag Droschl

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